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Fünf Lehren aus der Nationalratswahl

Aktualisiert: vor 1 Tag

Kommentar der Jungen SVP Säntis

Vor einem Monat hat Edgar Bischof es geschafft: Mit etwas mehr als 500 Stimmen Vorsprung gewinnt er die ausserplanmässige Ausmarchung um die Nachfolge von David Zuberbühler. Damit bleibt der einzige Ausserrhoder Sitz der grossen Kammer in den Händen eines SVP-Mannes. Fünf Lehren lassen sich aus diesem Wahlgang ziehen.


Sieg für Edgar Bischof (l.) in fünf Akten. Hier die beiden Kandidierenden beim Podium der Appenzeller Zeitung in der alten Stuhlfabrik in Herisau.
Sieg für Edgar Bischof (l.) in fünf Akten. Hier die beiden Kandidierenden beim Podium der Appenzeller Zeitung in der alten Stuhlfabrik in Herisau.

1. Bischof war der richtige Mann

Die Personaldecke bei allen Parteien und Verbänden im Kanton ist ziemlich dünn. Mit Hansueli Reutegger, Anick Volger, Walter Raschle oder Max Slongo hätte die SVP zwar namhafte Personen mit einiger Erfahrung und zuweilen gar etwas Glitzer in ihren Reihen gehabt. Dem Vernehmen nach haben diese aber alle abgesagt. Ohnehin fraglich, ob jemand von ihnen die Wahl geschafft hätte. Die ernüchternde Wahrheit ist: Nur Edgar Bischof konnte der SVP den Sitz retten.


Dieser brachte nebst seiner langjährigen Erfahrung im Kantonsrat vor allem sein riesigen Netzwerk ein. Kaum ein Termin im Wahlkampf verging, an dem Bischof nicht auf ein ihm schon bekanntes Gesicht traf. Im Vorfeld hatte sich der Teufner im Rahmen seiner Tätigkeit als HEV-Präsident geschickt als Brückenbauer ins Spiel gebracht und stand bei der kürzlichen Abstimmung über die Abschaffung des Eigenmietwerts bereits in einer Art Vorwahlkampftour. Obwohl es vor zehn Jahren bei der für ihn negativ ausgegangenen Kampfnomination gegen David Zuberbühler auch parteiintern böses Blut gab, hat Bischof es geschafft, diese Gräben zuzuschütten.


Und hatte Bischof Zeit. Im Gegensatz zu seiner Konkurrentin konnte sich der Unternehmer und Verwaltungsrat zu 100% auf den Wahlkampf fokussieren und seine restlichen Engagements nahezu zum Stillstand bringen. Jeden Morgen und jeden Abend war Bischof landauf, landab im Einsatz und verteilte unerschütterlich tausende Biberli. Fakt ist: Kein anderer in den Reihen der Volkspartei hätte so einen Wahlkampf hinlegen können.


2. Die SVP hat vieles richtig gemacht

Ob des kommunikativen Misstritts der SVP-Spitze, öffentlich zu machen, dass man schon seit Monaten über den Zuberbühler-Rücktritt Bescheid gewusst und in der Folge eine Findungskommission eingerichtet hatte, ging die Strategie der Volkspartei auf.


Der Partei ist es gelungen, das interne Wissen um die bevorstehende Ersatzwahl auch wirklich intern zu halten. Am 2. Dezember - Tag von Zubis Rücktritt - waren alle überrascht; ausser der SVP. Bereits im gleichen Zug den Namen des Wunschnachfolgers, Edgar Bischof, zu nennen, verschaffte der Partei Oberwasser. Nicht zuletzt wegen der Stärke Bischofs sagten wohl nicht minder ambitionierte FDPler ab.


Zugleich hatte die Partei Zeit, sich auf den Wahlkampf vorzubereiten: auf einer persönlichen Ebene, aber auch ganz konkret. Die guten Plakatflächen der Agentur APG waren Anfang Dezember bereits für die SVP reserviert, während die anderen Parteien erst ins Rotieren kamen.


Zudem überzeugte der Wahlkampf der SVP. Im Gegensatz zu Vorgänger David Zuberbühler zeigte Edgar Bischof deutlich weniger Ecken und Kanten. Dass selbst das Sünneli-Logo auf seinen Wahlplakaten fehlte, stiess wohl manch einem in der eigenen Partei sauer auf, wurde aber von den Wählern goutiert.


Die SVP konnte - einmal mehr - mobilisieren. Obschon sie im Kantonsrat des Majorzwahlrechts in allen Gemeinden ausser Herisau wegen die kleinste Fraktion bildet, ist sie in der Fläche gut verankert: Das Hinterland ist sowieso in SVP-Hand, während bei diesem Urnengang selbst das progessive Vorderland zu Teilen an den Kandidaten der Volkspartei ging. Aus der im November über die Bühne gegangenen Abstimmung über die Kantonsverfassung, bei welcher die SVP als einzige Kraft öffentlich und mit Erfolg gegen das Ausländerstimmrecht mobilisierte, nahm die Partei zusätzlich Rückenwind mit.


3. Abderhalden war eine starke Konkurrentin, aber

Wer, wenn nicht Jennifer Abderhalden? Die Mandatsleiterin und seit 2024 Kantonsrätin aus Speicher war eine ernstzunehmende Gegenspielerin von Bischof. Das zeigte sich nicht nur am Wahlsonntag im Foyer des Kantonsratssaals, wo die laufend eintreffenden Gemeindeergebnisse kurzzeitig immer wieder dafür sorgten, dass sie vor ihrem Herausforderer lag, Abderhalden schaffte es auch - einmal mehr - die Kräfte links von ihr hinter sich zu vereinigen.


Schon 2019 scheiterte sie nur äusserst knapp in einem Zweikampf, damals gegen David Zuberbühler. Das macht die Nicht-Wahl für sie besonders bitter. Denn inhaltlich und in der Auftrittskompetenz vermochte sie zu überzeugen, war man sich auch im SVP-Lager einig. Das Argument "Frau, statt Mann" zog ebenfalls.


Abderhaldens Scheitern lässt sich vor allem in zwei Gründen erklären:

Erstens startete ihre Kernkampagne mit Verspätung. Zwar hatte die FDP nach Bekanntwerden von Zuberbühlers Rücktritt und Bischofs Ambitionen rasch geschaltet und ihre Parteipräsidentin nominiert, noch bevor die SVP ihren Kandidaten offiziell aufgestellt hatte. Danach aber war erstaunlich wenig von Jennifer Aberhalden zu vernehmen. Während Edgar Bischof die Sozialen Medien regelrecht überschwemmte und Plakat an Plakat reihte, trat Abderhaldens Hauptkampagne erst Anfang Februar in den Vordergrund. Zeit, in der sich bereits viele Stimmberechtigte ihre Meinung hatten bilden lassen.


Zweitens bleibt die für sie schmerzhafte Erkenntnis zurück, dass so manch eine graue Eminenz innerhalb der FDP es vorzog, lieber zu schweigen und insgeheim Edgar Bischof zu unterstützen, anstatt sich für Abderhalden in den Wahlkampf zu stürzen. Diese mangelnde Geschlossenheit muss der FDP zu denken geben.


4. Die FDP hat ein Problem

Damit zur ehemals staatstragenden und in Teilen immer noch stolzen FDP. Der Ausserrhoder Freisinn denkt gerne an seine Belle époque zurück, in der es gottgegeben war, dass der Landammann aus ihren Reihen stammte. Diese Zeiten sind längst vorbei. Nurmehr in der Regierung kann sich die FDP mit zwei Vertretern behaupten. Ob der Anspruch der Partei auf zwei der fünf Sitze in der Exekutive allerdings unbestritten sein wird wie bislang, bleibt abzuwarten.


Im Kantonsrat hingegen stellt die Partei zwar nach wie vor die grösste Fraktion, diese strauchelt aber immer wieder mit sich selbst und ist unvergleichlich heterogen. In Herisau hat der Freisinn schon vor mehr als einem Jahrzehnt das Gemeindepräsidium eingebüsst und es ist ihm auch nicht gelungen, dieses mit einer erfahrenen und profilierten Kandidatin zurückzuerobern. Bei den Nationalratswahlen ist es nun das vierte Mal in Folge, dass die FDP im Kampf um den Sitz gegenüber der SVP das Nachsehen hat.


Die FDP hat damit ein Problem, denn ihr auch im liberalen Ausserrhoden einziger, natürlicher Partner, mit dem sie vom Kaliber her auf Augenhöhe verhandeln kann, ist die SVP. Diese abermals zu verprellen mit einer eigenen Kandidatur, anstatt ein bürgerliches Päckli zu schnüren, funktionierte nur dann, wenn Aberhalden gewonnen hätte. So aber bleibt eine gestärkte Volkspartei zurück, die sich zweimal überlegen wird, ob sie eine FDP-Kandidatur um eine allfällig anstehende Nachfolge von Ständerat Andrea Caroni einfach blindlings unterstützt.


5. Herisau hat die Wahlen entschieden

Im Gegensatz zu den vergangenen Nationalratswahlen stammte keiner der Kandidaten aus dem unverbrieften Kantonshauptort. Dennoch fiel die Entscheidung für Bischof erst mit der Auszählung von Herisau. Und das überraschend deutlich: Über 400 Stimmen Vorsprung aus der grössten Ausserrhoder Gemeinde verhalfen dem Teufner, der notabene in seiner eigenen Wohngemeinde gegen seine Konkurrentin unterlag, zum Sieg.


Die Hypothese "Wer Herisau gewinnt, gewinnt auch die Wahlen" bewährt sich einmal mehr. Das war nicht nur bei Zuberbühlers vorangegangenen Bestätigungen so, auch Susann Metzger triumphierte gegenüber Barbara Giger in Herisau. Das zeigt: Herisau ist zwar konservativ, aber folgt nicht um jeden Preis der Empfehlung der SVP.


Edgar Bischof und sein Team wussten das und haben deshalb einen Schwerpunkt ihrer Kampagne auf Herisau gelegt: Der Wahlkampfauftakt fand auf dem Obstmarkt statt und auch sonst war Bischof überproportional viel im Dorf, das keine Stadt sein will, unterwegs. Dieses Learning können alle Parteien und Kandidaten für die Wahlen, die da kommen, mitnehmen.




 
 
 

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